Goldene Hochzeit der Geschwister Strauß

Am 21. 9. 2008 feiern die Geschwister Gerda und Willi Strauß ihr 60. Ehejubiläum.

Beide sind im Jahre 1924 in Ostpreußen geboren und kamen mit der Flucht bzw. durch den Krieg nach Schleswig-Holstein. Seit nahezu 60 Jahren gehören sie zur Gemeinde Barmstedt und erfreuen sich bis heute noch guter Gesundheit.

Priester i. R. Willi Strauß diente 27 Jahre als Vorsteher in der Gemeinde Barmstedt und 5 Jahre als Vorsteher in Pinneberg. Nicht zuletzt aus dieser Zeit sind er und seine Ehefrau Gerda vielen Geschwistern im gesamten Elmshorner Bezirk bekannt. Zur Familie gehören u. a. vier Kinder und vier Enkelkinder. Weitere Informationen aus einem arbeitsreichen, bewegten und gesegneten Leben im nachfolgenden Interview:

Interview mit den Geschwistern Gerda und Willi Strauß

Vorwort:

Mein erster „Hausbesuch“ bei Willi und Gerda hatte einen besonderen Anlass.

Ein „Interview“ sollte mit den Beiden geführt werden. Für alle Beteiligten etwas Neues. Im September (21.09.2008) werden sie Ihre Diamantene Hochzeit feiern. Hierzu hatte ich schon Fragen vorbereitet und wollte diese dann ganz einfach mit ihnen durchgehen.

Gerda und Willi aber hatten so viel zu erzählen, es war unmöglich alles mitzuschreiben. Es wurden 4 Stunden. Manchmal war es so spannend und dann auch sehr nahe gehend, so dass man die Tränen nicht zurückhalten konnte. Für mich war es ein reicher Abend. Zum Abschluss haben wir noch gebetet. Das war auch ein besonderes Erlebnis für mich. Der „kleine“ Diakon betet mit Willi und Gerda Strauß! Das hat die Seele mächtig berührt. Wir wünschen allen Lesern viel Freude!

Frage: Wie und wo habt Ihr Euch kennengelernt?
Wir haben uns 2x kennengelernt. „Beim 1.x mochte ich ihn nicht, der guckte immer so“. (Gerda) Das erste Mal in Liesken Ostpreußen als Jugendliche, später nach der Flucht und zum Kriegsende in Grabau (bei Bad Oldesloe )

Frage: Waren beide von Geburt an Gotteskinder?

Nein, beide waren evangelisch. Gerda ist durch Apostel Dach in Gelsenkirchen und Willi durch Apostel Lembke in Elmshorn Nord versiegelt worden. Getraut durch Bischof Buchheister, Bruder Egon Lindenau war damals Dirigent.

Frage: Mit 4 Kindern, Amtsträger, Vorsteher und berufstätiger Ehemann, wie war das alles zu schaffen?

„Einer hat immer die Hand über uns gehabt“! Gerda hat sich nicht nur um die eigenen vier Kinder sondern auch um unser „fünftes“ Kind (Dieter Wolff) gemüht. Es waren auch lange Zeit alte Menschen mit im Haus, die auch von Gerda versorgt wurden.

Frage: In Eurem hohen Alter habt ihr sicherlich schöne Glaubenserlebnisse gehabt, welches war das schönste?

Wir hatten viele! Zwei seien hier erwähnt: Unser Sohn Wolfgang wurde krank. Der Arzt kam und nahm Wolfgang mit ins Krankenhaus Wedel. Nun musste Willi auf dem Bau informiert werden. Der Vorsteher Pr. Plambeck und Willi trafen sich auf der Straße. Beide haben dann im Graben für Wolfgang gebetet, es wurde gut….
Es hatte sich unser damaliger BÄ Drave zum Gottesdienst angesagt. Am Sonntag kam ein LKW mit Dachziegeln, die von Hand entladen werden mussten. Nun stand Willi in der Überlegung, zum Gottesdienst oder die Dachziegel abladen. Er überließ die Ziegel dem lieben Gott und ging zum Gottesdienst. Nach dem GD ging er sofort zur Baustelle. Dort lud bereits der Lehrling seiner Firma den LKW ab. Wieder einmal war alles vom lieben Gott gelenkt.

Frage: Pr. Strauß gibt es oder gab es Hobbys nach der Zurruhesetzung?

Angeln, einmal im Jahr gehe ich mit meinen Jungs nach Süsel zum Angeln.

Frage: Schwester Strauß, Sie haben sicherlich die Hauptarbeit der Kindererziehung geleistet. Gab es trotz der vielen Arbeit und Aufträgen noch Zeit für die Kinder? Wie habt Ihr die Familie erlebt? Ja, wir haben abends viel „Stadt, Land, Fluss“ gespielt. Das hat allen Spaß gemacht. Oft haben wir auch Nachbarskinder mit am Tisch gehabt. Ja wir haben trotz der vielen Arbeit viel Zeit mit den Kindern verbracht. Unser BÄ Moog hat einmal zu Gerda gesagt: „Die Kinder sind gut geworden, Schwester Strauß“!

Frage: Wie habt Ihr die Kriegsjahre und die Flucht erlebt?
Getrennt. Willi war bei den Soldaten im Krieg. Von der Ost- bis zur Westfront. Als Fallschirmspringer ist er über Remagen abgesprungen. Gerda ist vor der roten Armee aus Ostpreußen geflohen. Der liebe Gott hat sie danach wieder zusammen geführt.

Frage: Heute kommuniziert man per Telefon, Handy, Fax, schreibt E- Mails und SMS. Wie hat man zu Ihrer Amtszeit mit den Segensträgern kommuniziert?

Einmal kam der BÄ Schröter zum Gottesdienst nach Lutzhorn. Er sagte: „Bruder Strauß Sie brauchen ein Fahrzeug“. Nur 5 Tage später erhielt Willi von seinem Chef ein Moped. Dies schob er wenig später nachts von Herzhorn bei Glückstadt mit defekter Kette bis nach Hause.

Frage: Welchem Apostel oder Stammapostel seid Ihr besonders nahe gekommen?

Apostel Weinmann haben wir sehr geschätzt und geliebt. Er war ein sehr gebildeter Mann und doch ein Mann aus dem Volk. Gerda war krank. Apostel Weinmann sagte nur: „Es wird gut, mien Jung“! Es wurde alles gut.

Frage: Wie sind die Amtszeitdaten? Wann Diakon? Wann Priester ? Wann Vorsteher?

4.12.1949 Unterdiakon in Barmstedt (Ap. Weinmann)
30.7.1952 Diakon in Barmstedt (Ap. Weinmann)
26.12.1952 Priester in Barmstedt (Ap. Weinmann)

Vorsteheraufträge:
1955, 27 Jahre für Barmstedt
1981, 5 Jahre für Pinneberg
Zurruhesetzung: 6.4.1986 in Pinneberg (Ap. Knobloch)

Frage: Wie ist Euer Lebensmotto? Gibt es einen besonderen Leitgedanken?

Respektvoll den Lebenspartner verstehen.

Frage: Engelschutz - Erlebnisse ?

Wir haben immer Engelschutz gehabt, besonders im Krieg.

Frage: Was ist Euer größter Wunsch?

Dass wir treu bleiben, zusammen sein und dabei dankbar sein dürfen. Frieden in den Familien halten.

Frage: Welches ist Ihre/Seine schönste Tugend?

„Gerda kann mit allen gut, mit jung und alt!“
„Willi ist ein Sturer, mit sturem Gottvertrauen“

Frage: Wie lautet Euer Lieblingslied?

M 44 Vers 2: „Auf dich schauend Dir vertrauend“
M 284:“ Was ich tief im Herzen trag“
Gemeinsames Lieblingslied: „Ich brauch Dich alle Zeit“

Frage: Der Stammapostel wünscht sich „Wohlfühlgemeinden“.
Fühlt Ihr Euch wohl in Euer Gemeinde? Wenn ja, warum? Ich habe viele getauft und getraut. Barmstedt ist unsere Gemeinde!

Text: Diakon Hajo Sombrutzki
Bild: Wilbert Krause